Stellungnahme SoliLA/ GrossStadtGemüse

Eine weitere Stellungnahme zur SoliLA Landbesetzung kommt von Eva Vesovnik (Projekt „GrossSTadtGemüse“). Dieses, von Studentinnen der BOKU betriebene “Urban Gardening” Projekt, ist im Zuge der Besetzung der angrenzenden Felder in der Jedlerstorfer Straße 105 bei der Räumung vollständig zerstört worden- ohne das die langjährigen Nutzer*innen informiert wurden. Auf Bitte von Frau Vesovnik veröffentlichen wir hier ihre Sichtweise der Ereignisse:

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Sehr geehrte Redaktionen und Blog-Schreiber,

da ich eben im guerillagartenblog von einer Sendung – heute
zum Thema Be- und Ent-setzung im Versuchsgarten der BOKU in Jedlersdorf
lese und die bisherige Berichterstattung extrem einseitig und unvollständig ist
möchte ich einige Fakten nachtragen.
Ich arbeite sieben Jahre im Rahmen von Lehraufträgen an der BOKU
an Themen zur StadtLandwirtschaft, CSA, Cityfarms, Gemeinsam Gärtnern uÄ–
„Soziale und ökologische Aspekte städtischen Gartenbaus“, so auch der Titel des
Forschungsauftrages in dessen Rahmen seit 2010 das Projekt „GrossSTadtGemüse“
Lief –und das jetzt brutalst niedergewalzt wurde.
Kaum etwas im Forderungskatalog der LandbesetzerInnen, das wir nicht schon zu verwirklichen begonnen haben:
– gemeinschaftliche ökologische (die ersten!!! Flächen der BOKU in Zertifizierung)
Gemüseproduktion von Jung&Alt, StudentInnen, AnrainerInnen, Freunden
– Selbst&Nachbarschafts-Versorgung: des TÜWI der Boku, Kistl- Lieferung,
Selbst- Abholung mit gemüsekundlichen Führungen
– die Karotte als Transportmedium für Themen „Nachhaltigen Lebensstils“ in der
Stadt, von den kurzen Versorgungswegen, Gesundheit, über Saatguterhalt,
Lebenspatente, neue Ökonomien bis zur Resilienz durch Gemeinschaftlichkeit
– Weit gefächerte Interkulturalität brachte die“ Welt“ in unsere Nachbarschaftsfeste
– alles klein& fein, da – obwohl Teil des Forschungsprojektes, von der BOKU nicht
offiziell gebilligt. Genauso die
– Schulen, die seit 2010 in eigenen Bereichen und mit uns mitarbeiteten – Learning
by Buddling – auch für Erwachsene gab es eine
– basics of Gardening-workshopreihe
– Bienen gehörten zum Vielfaltsgarten –schon im ersten Jahr ca 250 Gemüse-
sorten, dazu nochmals so viele Kräuter, Wildgemüse, BioBeerenssträucher..
viele Raritäten –und alles bald in wuchernder Üppigkeit und bunter Fülle;
das alles gemanagt mit großteils Gartenneulingen, gänzlich ohne BOKU-Geld.

Zu allertiefst überzeugt von der Wichtigkeit und Zukunft des LehrLernErlebnis-Forschungs&PraxisGartens, des „Urban Gardens“ Projektes floß sehr viel aus meiner eigenen Tasche. Anerkennung gab es genug, Präsentationen, sogar Preise!
Nur die BOKU schwieg die Urban Gardens tot. Die Vorbereitungen, Teilprojekte
wurden nicht einmal in die Arbeitsberichte des Instituts aufgenommen (IGOW).

Seit mehreren Jahren zeichnete sich die Rückgabe des Gartenbaugeländes an die BIG ab. An einer BOKU-Interne Neupositionierung des VG mit StadtLandWirtschaftlichen Themen war kein Interesse. Ende 2010 war das „Aus“ nach Jahren der intern demoralisierenden Gerüchteküche offiziell. Anfang 2011 fragte ich –ganz loyale Mit-arbeiterin- im Rektorat an, ob man mit Verhandlungen unsererseits für eine Nachpacht
In kooperativer Nachbarschaftsbeziehung zum bestehen bleibenden BOKU-Obstbau einverstanden wäre und was wir als Ablöse für bestehende (allerdings veraltete, jetzt „nachhaltig“ vernichtete!!) Infrastruktur zu zahlen hätten. Einverständnis und gute Wünsche kamen sofort, Zahlen trotz unzähliger Nachfragen nie. Anders die BIG: mit nach Boku-Rückgabe noch genau zu vereinbarenden Konditionen wurden uns als definitiv „erste Ansprechpartner“ genannten temporäre Pacht bis Baufreimachung und
ein finanzieller Rahmen genannt und ausdrücklich betont, dass es keine Aufforderung an die BOKU gäbe, das Gelände geräumt zu übergeben – dh wir die gesamte (jetzt vernichtete) Infrastruktur ihrerseits weiter verwenden könnten. Die Nutzung bis Rückgabe könne –klar- nur mit der BOKU verhandelt werden. Diese verweigerte aller-dings seit Sommer, als das IGOW, der Gelände-Nutzer, seine Agenden absiedelte und damit nur mehr das Rektorat für die Flächen zuständig war, jegliche Anfragenbeantwortung. Nach einer ersten „Okkupation“ im Herbst – von der wir uns
auf das schärfste distanzierten, weil wir die SoLiLa-Gruppe seit bald einem Jahr zum
gemeinsamen Arbeiten eingeladen hatten – verloren wir Zutritt (Vorhängschlösser) und die gesamte Ernte. Keines meiner vielen Schreiben an die zuständige Vizerektorin
Reithmayer, nicht einmal das Ansuchen meiner Chefin!! Um Zutritt wurde je beantwortet.

Immer noch loyal, obwohl nun meines Lehrauftrages verlustig, riet ich-inhaltlich solidarisch- auch jetzt im April noch von der „Landbesetzung“ ab und zu einem weiteren Versuchen des Verhandlungsweges- wenn auch mit schwindendem Glauben daran –die BOKU betreffend. (s.atts) Aber die hätte die Flächen ja eigentlich schon Ende 2011 zurückgeben wollen.
Jetzt „Eigenbedarf“ zu behaupten ist wenig glaubhaft; Versuche müssen ein halbes Jahr in den Departmentsprogrammen angemeldet und genehmigt sein – da ist nichts bekannt. Ganz im Gegenteil: in der letzten Dptkonferenz behauptete der Leiter der Zerstörungsarbeiten, Dr.Wagentristl, dass die Flächen bereits zurückgegeben worden seien !!!
Und nach Demolierung der Bewässerungsanlage im Mai etwas anzubauen –mußwohl ein Wüstenkorn-Versuch werden.

Aber „Wüste“ trifft ohnehin den Jetztzustand des noch vor kurzen so wuchernden
Flecken Erde – auf dem soo viel schon erreicht war – und sooo viel noch hätte möglich werden können.
Mit unvorstellbarer Brutalität wurde von uns Aufgebautes, Privateigentum aber auch Eigentum der Republik vernichtet. Unsere selbsteingerichtete Infrastruktur: ein Container mit wirklich überkompletter Werkzeug- und Gartenbedarf-Ausstattung (Ich hatte aus der Konkursmasse eines Gartenbaubetriebes 2 LKW-Ladungen voll, privat, eingekauft.) 3 Verkaufsstände, 4 Gartenpavillons, ein Bauwagen, der als Büro und Lager wertvollster Saatgutschätze diente, die mühsam selbst gebastelte Bewässerungsanlage – genauso vernichtet wie die des Institutes, deren Folientunnel!!

Vielleicht noch schlimmer – all das Leben, die üppige Vielfalt in den Beeten!
Ein Weidentunnel, ein Tipi, von SchülerInnen gebaut, zahlreiche Pflanzen in riesigen Containern als Garten in der Senkrechten, dutzende wertvolle Bio-Beerensträucher,
ein wunderbares Wildobst-Sortiment –grade in Blüte! Tausende Kräuter und Stauden,
vieles davon Raritäten und durch meine sonstige gartenbauliche Tätigkeit eingeflossen.
Allein die 150 Eremurus, 20 Riesenyucca, an die 2000 Nektaroscordium als Bienenfutter – ein Vermögen. (Wenn auch: „Die Bienen braucht da keiner“ –so der leitende Zerstörer zu mir vor versammelten Studierenden als ich mich um deren Schutz bemühte)

Es gab keinen Räumungsbefehl! An uns keine Aufforderung, das Gelände zu räumen.
Jeder der das Projekt kannte wusste dass Abgraben Wochen brauchen würde – wozu, wenn wir nachpachten. Alles voll transparent vor der BOKU abgehandelt. Auch meine BIG-Verhandlungen und Briefe kommunizierte ich dem Rektorat. Seit Herbst haben wir keinen Zutritt. Eine Räumung wäre also auch gar nicht möglich gewesen.

Details, Unterlagen, Briefe -gerne
Mit freundlichen Grüßen
Eva Vesovnik

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